Tunnel stösst auf viel Goodwill

Die Behörden von Rapperswil-Jona und die Kantonsplaner haben ihre bevorzugte Tunnel-Variante zur Verkehrsentlastung vorgestellt. Parteien und Vereine stehen dem Projekt positiv gegenüber – mit Vorbehalten.

Tunnel Mitte. Was simpel klingt, könnte eine Milliarde Franken oder mehr kosten – und soll dereinst die Verkehrsprobleme in Rapperswil-Jona lösen. Es ist die von den städtischen und kantonalen Behörden und Planern bevorzugte Variante für einen Tunnel unter Rapperswil-Jona. Bei den städtischen Parteien stösst die Idee grundsätzlich auf positive Resonanz:

«Das Projekt unterscheidet sich grundsätzlich vom 2011 an der Urne abgelehnten. Die Mängel, die damals zum Nein führten, sind behoben
worden», sagt etwa Markus Gisler, Präsident der FDP See-Gaster. Der Tunnelgegner von 2011 unterstützt das Projekt hauptsächlich aus zwei Gründen: «Erstens verläuft die gesamte Linienführung nun unterirdisch. Zweitens ist die Strecke vom Tüchelweiher bis nach Kempraten unter dem Trassee der S7 geplant. Damit kann ein grosses Verkehrschaos auf der Zürcherstrasse während der Bauarbeiten verhindert werden.» Mit anderen Worten: Für Gisler ist das Vorhaben aus städtebaulicher Sicht sinnvoll und machbar. Er betont aber auch, dass verschiedene Faktoren noch im Dunkeln lägen: «Der Zugang zum Bahnhof, die flankierenden Massnahmen oder die Einfahrt Tüchi sind Aspekte, die noch vertieft geprüft werden müssen.»

«Anwohner und Gewerbe anhören»
Gislers positiver Meinung schliesst sich Barbara Keller-Inhelder, Präsidentin der SVP-Lokalpartei, an: «Beim vorliegenden Projekt handelt es sich nicht mehr um einen offenen Tagbau mitten durch die Hauptverkehrsachse Zürcherstrasse, und es gibt keine Etappierung mit ungewissem Ausgang mehr.» Dies seien für die SVP bei der Vorlage von 2011 die Killer-Kriterien gewesen. «Das Gewerbe hätte die jahrelange Baustelle wohl nicht überlebt», sagt Keller-Inhelder. Wichtig ist für sie die Erarbeitung der flankierenden Massnahmen: «Dabei gilt es, die Bedürfnisse der Anwohner, des Gewerbes und der Einkaufsläden zu berücksichtigen.» Die Altstadt solle nach wie vor ein attraktiver Einkaufs- und Tourismusstandort sein. Für Keller-Inhelder ist es «schade, dass 2011 eine derart mangelhafte Variante vorgelegt wurde». «Das nun vorliegende Projekt hätte die Verkehrsprobleme sieben Jahre früher gelöst.»

«Volksbewegung pro Tunnel»
Geschlossen hinter der Variante Mitte steht auch der Vorstand des Vereins Verkehrsentlastung Rapperswil-Jona (Verj), der ursprünglich eine Variante bevorzugte, bei der zusätzlich ein neuer Eisenbahntunnel von Kempraten nach Jona vorgesehen war: «Mit der nun präsentierten Variante werden weitgehend dieselben Ziele erreicht», sagt Vereinspräsident Marcel Gasser. Ziel des Vorstands sei es nun, die Basis davon zu überzeugen, das Projekt Tunnel Mitte zu unterstützen und zu begleiten. «Wir möchten unabhängig von den Behörden zu einer Art Volksbewegung pro Tunnel Mitte heranwachsen», sagt Gasser. Den Tunnelbefürwortern ist bewusst, dass es eine breite Abstützung braucht, damit der Kanton so viel Geld in die Hand nimmt. Wichtig sind für den Verein die flankierenden Massnahmen: «Diese hängen
unserer Meinung nach massiv davon ab, ob nun ein Tunnel kommt oder nicht.» Deshalb seien breitere verkehrsberuhigte Strassenabschnitte, verkehrsfreie Zonen, breitere Bussspuren, Velowege und Gehsteige ab sofort zweigleisig zu planen: «Nämlich mit oder ohne Tunnel», sagt Gasser. Nicht ganz so positiv ist Thomas Hofstetter, Präsident der CVP Rapperswil-Jona: «Fest steht, dass das Verkehrsproblem in Rapperswil-Jona endlich angegangen werden muss», sagt er. Dass dies mit der nun präsentierten Lösung Tunnel Mitte geschehen würde, sei absehbar gewesen. «Nun gilt es, das Projekt und die nötigen flankierenden Massnahmen vertieft anzuschauen und abzuschätzen, ob sich die extrem hohen Kosten letztlich tatsächlich lohnen.» Deutlicher wird Silvia Kündig, CoPräsidentin der UGS (Unabhängig, Grün, Sozial): «Entscheidend sind für uns die verkehrsberuhigenden und die oberirdischen Massnahmen.» Da seien die Drahtzieher leider bisher sehr zurückhaltend mit Informationen. Kündig bezweifelt zudem, ob die präsentierte Variante tatsächlich die gewünschte Entlastungswirkung hätte: «Einige wenige Stadtteile würden profitieren. Letztlich geht es um viel Geld, viel Beton und viel Bauerei für einen minimalen Nutzen – wenn überhaupt.» Das Geld ist einer der Punkte, welche auch bei den anderen Parteivertretern gewisse Fragezeichen hervorrufen:

«Eine Milliarde Franken ist ein enormer Betrag», sagt Hofstetter von der CVP. «Nadelöhr bleibt bestehen» Dieser Meinung ist auch Eduard Hirschi, Co-Präsident der SP Rapperswil-Jona: «Eine Milliarde zu investieren, nur damit der Verkehr in Rapperswil-Jona wieder fliesst, ist zumindest fragwürdig», findet er. Hinzu komme, dass mit dem Seedamm nach wie vor ein Nadelöhr bestehe: «Ob oberoder unterirdisch: Letztlich fahren nach wie vor gleich viele Autos durch Rapperswil-Jona, und die Situation beim Seedamm bleibt ungelöst.» Er führt aus, dass das Projekt unerwünschte Folgen haben könnte, denen bisher noch gar keine Beachtung geschenkt wurde: «Wenn die Verkehrsentlastung gelingt, wertet das die Wohngebiete auf und könnte steigende Mieten zur Folge haben.» Ein weiteres Fragezeichen ist die technische Machbarkeit des Tunnels: «Der Baugrund unter der Güterstrasse gehört zu den schlechtesten in der ganzen Schweiz», sagt Marcel John, Leiter des kantonalen Tiefbauamts. «Wir gehen davon aus,dass die Pläne realisierbar sind – ein gewisses Restrisiko bleibt aber bestehen.» In der Schweiz sei seines Wissens noch nie ein ähnliches Bauvorhaben realisiert worden. «Das kennen wir nur aus Städten wie London oder Singapur. Wir stehen mit Spezialisten aus diesen Ländern im Austausch, um von ihren Erfahrungen profitieren zu können.» Bis 2021 sollen vertiefte Abklärungen vorgenommen werden. «Dazu gehören auch Sondierungsbohrungen, um das letzte Risiko bezüglich der Machbarkeit auszumerzen. Wir wollen keine Lösung präsentieren, bei der sich in ein paar Jahren herausstellt, dass sie technisch gar nicht machbar ist.»

 

Dieser Artikel stammt aus der Südostschweiz vom 30.08.2018

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