Noch schweigt Würth in der «Chambre de réflexion»

Der Sessionshöck der CVP Linth in Rapperswil-Jona war eine Kampfansage ans Schwimmen im Lido. Für hitzebeständige Politikinteressierte steuerten Beni Würth, Nicolo Paganini und Markus Ritter im «Kreuz» noch zusätzlich Bundesbern-Feuer bei.

von Gabi Corvi aus der Südostschweiz

Zum Glück hielt der öffentliche Sessionshöck mit den drei CVP-Politgrössen Beni Würth, Markus Ritter und Nicolo Paganini, was der Untertitel «Beer& Politics» versprach. Es waren am heissen Donnerstagabend genügend Malzgetränke kühlgestellt. Lokalmatador Würth kam in kurzen Hosen, ebenso Thomas Hofstetter, Präsident der CVP Rapperswil-Jona, der im zweiten Teil des Abends einen frischen Talk mit den Gästen moderierte. Die Nationalräte Paganini und Ritter sowie Neo-Ständerat Würth waren zwar – zumindest tenumässig – ziemlich leger unterwegs, zeigten sich aber in der Referaterunde rhetorisch gewinnend und sattelfest in den aktuellen politischen Themen.

Ärger wegen Initiativen und Bevölkerungsschutz

«Diese Session wird wohl die strengste überhaupt gewesen sein,» sagte Beni Würth. Er bezog dies aber nicht etwa auf seine Arbeit in den Kommissionen, denn die rollt erst langsam an. «Ich durfte nicht reden!», witzelte Würth. «Eine ungeschriebene Regel besagt, dass Neumitglieder in ihrer ersten Session schweigen und zuhören sollen.» Daneben hatte er aber auch mit dem Rhythmuswechsel etwas zu kämpfen, obwohl er das Doppelmandat als St. Galler Regierungsrat und als Ständerat in Bern dank effizienter Terminplanung bis jetzt gut meistern könne. Würth beschreibt es so: «Auf der einen Seite steht die Bedächtigkeit im Stöckli, auf der anderen der Seite der Druck und das Arbeitstempo in den Aufgaben in der Kantonsexekutive.»

Bauernverbandspräsident Markus Ritter, der vor dem Sessionshöck zu Hause noch mit dem Mähen unter seinen Hochstammobstbäumen beschäftigt war, ging auf die Trinkwasser- und die Pestizidinitiative ein. Dabei kritisierte der Biobauer das fehlende politische Handwerk beim Ausformulieren der Initiativen und das mutmassliche Steigen der Lebensmittelpreise von 20 bis 40 Prozent bei einer Annahme. Er nannte die Initiativen einen «Schuss in den Ofen» und propagiert das Umsetzen des bestehenden Aktionsplans Pflanzenschutzmittel des Bundesrates.

Seine Arbeit in der Sicherheitspolitischen Kommission im Nationalrat sei noch interessanter geworden, seit Viola Amherd das VBS leite, so Nicolo Paganini. Weniger Freude hatte der Olma-Chef aber augenscheinlich an den grossen Differenzen zwischen Bund und Kantonen bei der Totalrevision des Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetzes. «In einer Subkommission mussten zwischen den Parteien im ‹Gschpürschmi›-Modus strittige Punkte geklärt werden.» Paganini hatte aber auch Launiges mit im Gepäck: «Am Parlamentarierschiessen in Gümligen wurde ich Erster!» Und als Tipp fürs Säuli-Rennen an der Olma meinte er: «Ich würde auf einen fantasievollen Namen setzen, zum Beispiel Tiramisau.»

EU-Rahmenabkommen – so (noch) nicht

Moderator Thomas Hofstetter fühlte zum Schluss den Politikern in Sachen Frauenstreik, Vaterschaftsurlaub und EU-Rahmenabkommen auf den Zahn. Bei Letzterem gab es markige Töne von Ritter à la «Ein Bauer würde dies nie so unterschreiben» und Diplomatisches von Paganini und Würth im Stile von «Man spürt, dass das Rahmenabkommen, so wie es aktuell dasteht, noch nicht mehrheitsfähig ist». Gott sei Dank, es gibt noch einiges zu tun in Bern! Sandro Morelli, Präsident der CVP Linth, lud zur Abkühlung rauchenden Köpfe und rauen Kehlen alle Anwesenden zum Apéro ein.

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