Viel Goodwill für Grossprojekte in Rapperswil-Jona

Über den gegenwärtigen Zustand des Schwimmbads Lido herrscht Einigkeit: «Desolat» nennen ihn sowohl SP-Präsident Eduard Hirschi­ als auch der CVP-Vorsitzende Thomas Hofstetter. «Wer die Badi kennt, weiss um den Handlungsbedarf», sagt Hofstetter. Und Hirschi ergänzt: «Wenn man im Lido ein Bad will, muss man etwas investieren.» Auch Nils Rickert von der GLP anerkennt den Sanierungsbedarf. Die 27 Millionen Franken Sanierungskosten, die der Stadtrat vor zwei Tagen an einer Medienorientierung angab, scheinen den Parteien denn auch vertretbar. FDP-Präsident Markus Gisler, der das Projekt als Stadtrat bis vor zwei Jahren selber noch mitbegleitet hat, weist darauf hin, dass sogar schon ein finanzieller Grundstock bereitsteht: Der Überschuss aus der Rechnung 2015 in der Höhe von 7,7 Mio. Franken wurde als Vorfinanzierung für das Lido auf die Seite gelegt. Es sei nach wie vor ein sehr teures­ Projekt, sagt Barbara Keller-Inhelder, SVP-Nationalrätin. Die Stückelung in Schwimmbad, Bootshalle, Strand und spätere Eishalle im Grünfeld erlaube es zwar, über einzelne Teile separat entscheiden zu können. Die SVP erwarte jedoch einen transparenten Vergleich von Projektumfang und Kosten.

Zwei Standorte für Eishallen

Die städtischen Grünen (UGS) begrüssen das Projekt. «Wir werden aber ein Auge auf nachhaltige Energien haben», sagt Co-Präsidentin Silvia Kündig-Schlumpf. Sie wünscht sich Solarpanels und einen Energieverbund mit dem benachbarten Kinderzoo. Auch die Sanierung des Hafens und die Neugestaltung der Seewiese für weitere gut 5 Mio. Franken stossen bei den Parteien auf Verständnis. Zwei Kritikpunkte sind zum Lido am Rande dann aber doch zu hören: Markus Gisler findet es schade, dass das 50-Meter-Becken nur sechs Bahnen hat. Für Wettkämpfe sind nämlich acht Bahnen vorgeschrieben. Eduard Hirschi stellt die Frage, ob es künftig wirklich zwei Eishallen an zwei unterschiedlichen Standorten braucht. «Aber dar­über muss man diskutieren, wenn das Projekt einer Eishockey-Trainingshalle im Grünfeld dereinst vorliegt.»

Lakers sollen mehr zahlen

Die städtische Sportstrategie sah bis anhin vor, den Eissport beim Lido zu konzentrieren. Thomas Hofstetter von der CVP kann der Strategieänderung mit einer Trainingshalle im Grünfeld viel Positives abgewinnen. Vielleicht müsse längerfristig gesehen gar die ganze Eishockey-Infrastruktur vom Zentrum ins Grünfeld zügeln, meint er. «Heute würde man an dieser Lage kaum mehr eine grosse Eishalle bauen.» Weil das erste Hallenkonzept im Lido nicht umsetzbar gewesen sei, findet Barbara Keller-Inhelder, dass die Sportstrategie zu hinterfragen sei. Auch Nils Rickert hat nichts gegen einen allfälligen Strategiewechsel. Wichtig sei, dass die Lakers finanziell stärker in die Pflicht genommen würden, bekräftigt er eine alte Forderung der GLP.

Fast alle für Investorenlösung

Die Parteivertreter äussern alle ihre persönliche Meinung, da die Mitgliederversammlungen noch nicht stattgefunden haben. Auch zum Pflegezentrum Schachen zeichnet sich demnach eine positive Grundhaltung ab. Das Modell, mit dem die Stadt einen privaten Investor mit dem Bau beauftragt und ihm das Land im Baurecht abgibt, werde schweizweit oft angewandt, sagt FDP-Präsident Markus Gisler. Es sei nicht einzusehen, wieso die Stadt Rapperswil-Jona die 65 Millionen Investitionsvolumen selber stemmen solle. Ausserdem müsse­ die öffentliche Hand mit höheren Preisen rechnen, wenn sie selber baue. Wichtig findet Gisler zudem, dass die städtische Stiftung Rajovita, die das Pflegezentrum dereinst betreiben wird, beim Bau aktiv mitredet. Ähnlich äussern sich Nils Rickert von der GLP und Barbara Keller-Inhelder von der SVP. Das Modell biete Vorteile bezüglich Verschuldung, Bauabwicklung und im aktuellen Zinsumfeld auch attraktive Miet­zinse, sagt die SVP-Nationalrätin. Thomas Hofstetter findet es positiv, dass keine Abschreibungen den städtischen Haushalt belas­ten und die Verwaltung keine­ Ressourcen für die Bau­begleitung freistellen muss. «Ich bin aber gespannt, ob man wirklich so leicht einen Investor findet», sagt der CVP-Präsident.

Deutlich vorsichtiger ist Eduard Hirschi. Ob die SP das Investorenmodell positiv sehe, sei offen. Die Stadt könnte das Geld für den Bau auch selber beschaffen, findet Hirschi. Auf jeden Fall müssten für den Bau einhei­mi­sche Gewerbler berücksichtigt werden. Die Stadt müsse hier ihren Einfluss geltend machen. Dem stimmt auch Silvia Kündig-Schlumpf zu. Grundsätzlich habe sie jedoch nichts gegen die Investorenlösung, sagt die UGS-Co-Präsidentin. Überzeugt hat sie vor allem das Argument des Stadtpräsidenten, so ein grosses Projekt sei für die Verwaltung kaum zu stemmen.

 

Dieser Artikel stammt aus der Zürichseezeitung von 15.08.2018

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